Samstag, 28. April 2012

Erster Sommertag

Der erste Sommertag in diesem Jahr neigt sich langsam dem Ende zu. Die Graue Ratte hat ihn, wie 99,9 % der Samstage, in den frühen Stunden mit Einkäufen und Kaffee trinken verbracht und sich anschließend in den Bau verkrochen. Sie weiß einfach nichts mehr mit Sommertagen anzufangen.

Früher, so vor 25 und mehr Jahren, hielt es mich nicht zu Hause. Das Schwimmbad und der Badeweiher waren nah und mit Walkman und einem Buch wurde einem die Zeit nicht lang. Außerdem konnte man auch ein paar Bahnen im Wasser ziehen, damit die körperliche Ertüchtigung mittels Schwimmen, wegen deren Ausführung man sich ja eigentlich gegen Eintrittsgeld Zutritt zum Badevergüngen erkauft hatte, nicht zu kurz kam. Die Jahre gingen dahin, die Haare wurden weniger, der Bauch mehr und die Graue Ratte verzog sich immer mehr ins Zimmer, grübelnd, welchen altersgemäßen sommerlichen Aktivitäten man nachgehen könnte. Dabei wurden auch Biergärten und Straßencafés irgendwann einmal reizlos. So kam es, dass sich die Stimmung der Grauen Ratte ihrer Fellfarbe annähert. Es gibt Menschen, die im Winter in depressive Stimmungen verfallen. Für mich gilt das auch im Sommer.

In der kälteren Jahreszeit weiß ich zwar auch wenig mit mir anzufangen, aber bei trübem Wetter fällt es leichte zu Hause zu bleiben.

Nie werde ich den Sommer vergessen, an dem ich meinen kompletten Jahresurlaub in der Wohnung sitzend verbracht habe, weil ich mich nicht zur Buchung einer Urlaubsreise aufraffen konnte. Andere Aktivitäten fielen mir nicht ein und eventuelle Ideen verwarf ich sofort und ich ließ sie in meinem persönlichen Summertime-Blues absaufen. Diese Aktion hatte etwas von Selbstquälerei. Daraus habe ich gelernt und verreise brav. Noch.

Dass ich mir andere sommerliche Aktivitäten mit Verweis auf mein fortgeschrittenes Alter und meinen Single-Status verweigere,zeigt eigentlich Reste dieser Selbstkasteiung.Schon kommen erste trübe Gedanken auf, die mir aus diesen Gründen auch den Urlaub verbieten wollen.

Ein kleiner Lichtblick im Sommer-Depri-Mode: Für Sonntag habe ich mir etwas vorgenommen, es wird mir gut tun, aus dem üblichen Sonntagstrott auszubrechen. Das Personal im Pflegeheim machte zwar wegen meiner Abwesenheitsmeldung lange Gesichter, aber das ging mir recht schnell an dem Körperteil vorbei, auf dem man gemeinhin sitzt.

Sommerurlaub muss ich auch noch buchen! Beinahe hätte ich das vergessen...
;-)

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